… oder wie unsere Westschweizer-Freunde sagen würden: La Grelottante 2026!

Samstag, 10. Oktober 2026 – es ist 0845 Uhr in der Schweiz. 11 Grad Celsius draussen, und Regen ist für den Tag angesagt, auch ohne den Wetterpropheten Bucheli. 35 Members des Harley Midland Chapters schauen bei sich zuhause, die Stirn runzelnd, aus den Fenstern und denken sich: ECHT JETZT? 😟

Sonntag, 11. Oktober 2026 – es ist 0845 Uhr in Hunzenschwil im Aargau. 9 Grad Celsius draussen, und Regen ist für den Tag nicht angesagt. Das zur grossen Freude der 35 Members des Harley Midland Chapters, die sich für die Schlottertour 2026, die letzte gemeinsame Ausfahrt in diesem Jahr, angemeldet haben. 😀

Road Captain Salvi, der uns diese auf weniger als 100 Kilometer lange – oder kurze – Tour an der Monatssitzung im September mit einer etwas ‹Na-ja-dann-halt-Stimmung› vorstellte, ist sichtlich baff. Sein Safety Stefano nicht weniger.

35 von 51 Members oder 68.62% des Midland Chapters sind anwesend. Ebenso begrüssen wir zwei Gäste: Carl und Jörg, wobei Jörg auch ohne sein zu Hause am Kleiderbügel hängendes Midlander-Gilet schliesslich als Member mitgezählt wird 😂.

Was beweist uns das? Zusammenhalten heisst halt zusammen leidenschaftlich auf unseren Harleys cruisen, die Zusammengehörigkeit aufleben lassen und gute, lustige Momente miteinander verbringen. Und nun zur Schlottertour.

Pünktlich um 0900 Uhr begrüssen unsere heutigen Road Captain Salvi und Safety Stefano die Runde bei der Coop-Tankstelle in Hunzenschwil und briefen uns knapp und klar über die bevorstehende Jahresend-Tour: Wir cruisen zweimal um den Hallwilersee!

Alles klar somit. Bleibt nur die Frage: linksrum und dann rechtsrum? Oder rechtsrum und dann linksrum? Oder zweimal linksrum, oder gar zweimal rechtsrum?

Um es vorwegzunehmen – es ging zweimal rechtsrum, oder doch linksrum? Ansichtssache. Natürlich sind auch Zwischenstopps und Zeit zum ‹Sein› eingeplant.

Um 0915 Uhr also reihen wir uns ein zur Konvoi-Kolonne und lassen unsere Engins aufheulen, bei 30 blank geputzten Milwaukee-Motoren eine Freude auch für unsere Ohren. Beim Rausfahren aus der Tankstelle wird die Strasse geblockt, was wir hier ausnahmsweise machen, um zügig wegzukommen. Die Luft ist noch frisch und kühl, aber am etwas verhangenen Himmel zeigen sich blaue Fetzen und da und dort auch un peu le soleil, das stimmt uns freudig. Wie auf einer Schnur gezogen und diszipliniert im Konvoi schlendert sich unser Harley-Tross über Boniswil, Birrwil, Beinwil dem Hallwilersee entlang, und weiter über Mosen, Aesch, Meisterschwanden. Das meistern wir hervorragend – deshalb absolvieren wir mehr oder weniger die gleiche Strecke nochmals, wir cruisen wie angesagt zweimal um das Hallwilersee-Becken.

Doch dann die Überraschung. Der Konvoi verlässt beim zweiten Mal in Aesch abrupt die Seestrasse und schlängelt sich die Anhöhe in nordöstlicher Richtung hinauf, um bei Schongau in Richtung Müswangen nach rechts zu drehen. Auf dem Weg durch Müswangen staunen wir nicht schlecht. Wir kreuzen einen anderen Konvoi, der ebenso diszipliniert wie wir in Zweier-Kolonne etwas wild umherrennend bereits unterwegs ist: die Strausse vom Straussenhof in Müswangen haben offensichtlich nicht mit uns gerechnet an diesem Sonntag Morgen…

Und schon kommen wir an bei unserem morgendlichen Kaffeehalt und reihen unsere Bikes schön geordnet auf. Das Gasthaus Hämikerberg befindet sich auf dem Lindenberg-Hochplateau in Hämikon im Kanton Luzern, tschüss Aargau. Die hier im Jahre 2016 schweizweit erste SpielGolf Anlage können wir heute leider nicht testen, vielleicht später einmal.

Wir geniessen Kaffee und Gipfel, offeriert von der Kasse des Midland Chapter, und bedanken uns herzlich.

Zurück in den Sätteln unserer Bikes setzen einige Members jetzt definitiv die Sonnenbrille auf, schliesslich lässt die Sonne ihren Charme in der zweiten Morgenhälfte mehr und mehr aufblitzen. Helme auf, Handschuhe an und Motoren an! Leichte Verwirrung in der Gruppe betreffend Wegfahrt aus dem Parkplatz macht sich breit – geht es jetzt nach links oder nach rechts? Zweimal um den Hallwilersee hat uns Harley Bikers wohl den Kopf verdreht. Die Situation geklärt, wir fahren nach rechts weg und verlassen den Kanton Luzern, um uns weiter zu verschieben in den Aargau. Der Anstieg führt uns durch herbstliche Wälder und wir geben acht auf das Laub da und dort am Boden, das kombiniert mit Nässe unsere Harleys vom Weg abbringen könnte. Und schon nähern wir uns Muri im Aargau.

Muri beherbergt das weit über die Region hinaus bekannte Kloster Muri und wurde im Jahr 1027 von Ita von Lothringen und ihrem Gemahl Graf Radbot von Habsburg gegründet. Radbot gilt übrigens als der Erbauer der Stammburg Schloss Habsburg auf dem Wülpelsberg im Aargau. Das wäre auch mal ein schöner Zwischenstopp – aber heute nicht.

Wir cruisen weiter Richtung Wohlen, legen da und dort ein paar flotte Kurven hin und geniessen die leicht höheren Temperaturen. Wir nähern uns dem Ziel für den Mittagshalt, der verführerische Duft von Burgern und Pommes liegt in der Luft, so meinen es jedenfalls einige Members zu riechen.

Salvi will ganz sicher gehen, dass das gesamte Chapter unser Ziel, das Wirtshaus zur Brauerei in Villmergen, geschlossen und standesgemäss in einer Kolonne von 30 Motorrädern der Marke Harley Davidson erreicht, klassisch eben. Und er begeht dabei einen fatalen Fehler, der uns noch lange zum Schmunzeln bringen wird.

Salvi trägt als Road Captain plötzlich seine orange Warnweste nicht mehr. Und auf dem Weg zur Brauerei setzt er zielbewusst unser Member Claudia als Wegweiserin – so weit so gut. Doch dann passiert das Unerwartete. Road Captain Salvi ohne orange 🦺 Warnweste bedeutet vermutlich auch Safety Stefano ohne orange 🦺 Warnweste.

Fazit: Wegweiserin Claudia setzt sich irgendwann ab und staunt, als plötzlich eine 5-er-Gruppe inklusive Safety Stefano sie kreuzen. Der Lacher ist gesetzt und die Truppe letztlich vereint im Wirtshaus zur Brauerei. Der Lunch kann starten und die Gespräche sind intensiv. Das Gruppenfoto wird in der Brauerei von Member Thesi geschossen und wir versuchen natürlich, unser Member Jörg so zu positionieren, dass sein fehlendes Midland-Chapter-Gilet nicht allzu sehr auffällt. Mal schauen, ob uns das gelungen ist 🤣.

Die letzte Etappe der diesjährigen Schlottertour führt uns zügig Richtung Café Maier in Dintikon. Salvi lässt die Tour kurz Revue passieren und unser Director Marc verdankt an dieser Stelle die immense Arbeit der Road Captain Crew und weist ausdrücklich darauf hin, dass allfällige Kritik oder noch besser Verbesserungsvorschläge für Touren und generell alle Themen an den Vorstand zu leiten sind. Dadurch bleiben wir transparent, ehrlich untereinander und pflegen den wichtigen Zusammenhalt im Midland Chapter.

Die meisten Members genehmigen sich noch einen Kaffee und verabschieden sich.

2026 – es war ein Jahr mit gewissen Veränderungen und Neuausrichtungen. Wir können zurückschauen auf wunderschöne, erlebnis- und abwechslungsreiche Touren und Events in einer von hohen Temperaturen geprägten Sommerzeit. Und das Wichtigste: wir sind von jeder gemeinsamen Midlander-Tour gesund und unfallfrei nach Hause zurückgekehrt. Was gibt es Wichtigeres?

Text: Roli Rykart